Matala - Kretas Haupstadt der Hippies

Okay, eine Stadt ist Matala eigentlich nicht, sondern vielmehr ein kleines Fischerdorf im Süden Kretas. Nirgendwo sonst ist der Hippie-Vibe auf der Insel aber so präsent wie hier! In den 1960er erlangte die hübsche Bucht mit ihren jahrtausendealten Wohnhöhlen große Beliebtheit bei Blumenkindern, Kriegsdienstverweigerern und Aussteigern. Auch wenn die Kommune heute nicht mehr in den Höhlen wohnt, strotzt Matala nur so vor Flowerpower. Der ganze Ort  ist quietschbunt und macht einfach gute Laune! Ein Highlight in Matala ist das jährlich im Juni stattfindende Matala Beach Festival, zu dem auch wir 2017 angereist sind. Du willst mehr über das entspannte, fröhliche und farbenfrohe Matala wissen? Dann hier lang!

Anfahrt nach Matala

Matala liegt in einer Bucht an der Südküste und gehört zum Ort Pitsidia im Bezirk Tymbaki. Von Kretas Hauptstadt Heraklion fährst du mit dem Mietwagen circa anderthalb Stunden bis in das kleine bunte Dorf. Der Flughafen Iraklio Nikos Kazantzakis ist der zweitgrößte Airport Griechenlands gemessen am Passagieraufkommen und bietet daher zahlreiche Verbindungen. Ryanair fliegt sowohl diesen als auch den Flughafen Chania namens Ioannis Daskalogiannis an. Da wir vor unserem Besuch in Matala im Nordwesten von Kreta unterwegs waren und das Hippiedorf unsere letzte Station sein sollte, haben wir den Hinflug nach Chania gebucht und den Rückflug von Heraklion genommen. Dazu hatten wir uns einen kleinen Mietwagen ab Chania, ohne den unsere Route nicht möglich gewesen wäre. Es fährt übrigens auch ein Bus von Heraklion nach Matala, allerdings nur 3 bis 4 mal am Tag.

Die Strecke Heraklion - Matala ist problemlos mit Google Maps zu meistern. Auch von Chania ist es auf dem direkten Weg recht einfach. In beiden Fällen nimmst du erst die Schnellstraße, die den Großteil des Nordens parallel der Küste verläufst und biegst bei Heraklion nach Mires ab. Bleib auf der Straße bis du kurz vor der Ortseinfahrt eine Abzweigung nach Pitsidia/Matala siehst.  Von hier sind es nun nur noch etwa 15 Kilometer bis Pitsidia. Folge von dort dann 3 Kilometer der Hauptstraße und dann heißt es: Willkommen in Matala!

Nach der völligen Abgeschiedenheit und Ruhe in Lentas am Ende unseres legendären Roadtrips in den Süden Kretas schlägt Matala doppelt bei uns ein. Schon weit vor dem Ort beginnen die Autokolonnen und es sieht erst mal wenig beschaulich aus. Unser Navi möchte uns geradeaus direkt in den Ortskern leiten, zu unserem Apartment, was wir am Vortag last minute gebucht haben. Die freundlichen Polizisten vor uns möchten allerdings, dass wir abbiegen. Egal, was wir versuchen, wir sind gezwungen unter lauten Protestrufen des Navis außerhalb des Orts auf die extra für das Festival zusammengeschusterten Parkplätze zu fahren. Das Areal ist bereits knallvoll, wir quetschen uns also irgendwo an einem staubigen Hang zwischen zwei Autos und hoffen das Beste.

Mit unserem Gepäck geht es die Hauptstraße zwischen bunten Ständen und jede Menge fröhlichen Menschen bis zu unserer ruhigeren Seitenstraße. Hier ist es genauso bunt wie im Rest des Ortes, denn alle Straßen sind mit farbenfrohen Motiven verziert, aber auch ziemlich grün und irgendwie idyllisch. Ein Ömchen sitzt gemütlich im Stuhl und beobachtet eifrig, wer so des Weges kommt.  In dieser Straße reiht sich ein Ferienappartement an das nächste. Unsere Unterkunft, das Antonios Hotel Apartments*, finden wir trotzdem sofort.


Nach kurzem Klingeln kommt Antonio persönlich und führt uns zu unserem Erdgeschossappartement. Es ist nichts Besonderes, aber für eine Nacht und unsere Zwecke die perfekte Wahl. Außerdem versorgt er uns sofort mit frisch gepflückten Aprikosen von den eigenen Bäumen. Lecker! Zum Appartement gehört außerdem eine gemütliche Terrasse mit einem riesigen Zitronenbaum. Mein absolutes Highlight sind aber die kleinen Kätzchen, die im Hof spielen. Ich bin so vertieft darin, die zuckersüßen Mietzen zu fotografieren und beim Unsinn machen zu beobachten, dass meine Freundin mich dezent an das Festival erinnern muss.

Zunächst wollen wir uns aber erst einmal im Ort umschauen und natürlich die berühmte Sehenswürdigkeit von Matala besichtigen: die legendären Wohnhöhlen, die schon wesentlich länger existieren als alle Blumenkinder dieser Welt.

WohnHöhlen von Matala

Die auffällige gelbe Sandsteinformation, in dem du die Höhlen findest, ist schon von weitem sichtbar und dominiert eindeutig die Bucht von Matala. Der Fels ist vergleichsweise weich und porös, weshalb die Höhlen bereits in der Jungsteinzeit gegraben werden konnten. Unter den Römern wurden die neolithischen Behausungen dann als Grabstätten benutzt.

In den 1960ern entdeckten Hippies aus aller Welt Matala für sich und gründeten eine Kommune, die sich in den inzwischen schon lange ungenutzten Wohnhöhlen niederließ. Darunter waren Aussteiger aller Art, viele Kriegsdienstverweigerer aus den USA, Künstler - und sogar Größen wie Bob Dylan, Cat Stevens und Joni Mitchell lebten zeitweise hier.


Ich finde es ziemlich schwer, mir vorzustellen, dass hier vor nicht allzu langer Zeit wirklich Menschen drin gewohnt haben sollen, aber den Aussteigern war Komfort in Form von Elektrizität und fließend Wasser nicht wichtig. Anders hätten sie es hier auch kaum aushalten können. Eines muss ich aber zugeben: Sie hatten eine super Aussicht!

Heute stehen die Höhlen unter Denkmalschutz und du kannst sie für 3 Euro besichtigen. Eine kleine Bretterbude am Strand verkauft die Tickets, dann darfst du nach Herzenslust herumkraxeln. Aber vorsichtig, es gibt hier und da zwar ein paar kleine Absperrungen, die sind aber nicht wirklich ernst zu nehmen in meinen Augen. An manchen Stellen ist auch ein wenig Klettern angesagt, um weiter zu kommen.

Eine große, berühmte Kommune gibt es im Dorf nicht mehr, längst haben Pauschaltouristen den Ort für sich erobert und die Wohngemeinschaft in den Höhlen wurde schon in den 70ern polizeilich geräumt. Trotzdem haben die Hippies im ganzen Dorf ihre Spuren hinterlassen. Das beginnt bei dem kunstvoll verzierten Baum am Ortseingang, geht weiter mit den bunt bemalten Böden und Wänden bis hin zu dem Motto der Love-and-Peace-Generation, das an einer Mauer am Matala Beach prangt: Today is Life, Tomorrow never comes! 

Der Spruch stammt von dem Fischer Giorgios Germanakis,  der sich den Hippies damals anschloss. Spätestens seit dem ersten Matala Beach Festival in 2011 besinnt man sich hier wieder auf die goldene Zeit der Blumenkinder und hat die Ära der Hippies in Matala erneut zum Leben erweckt. Jedes Jahr zieht das Event tausende Fans in das Dorf mit der charakteristischen Sandsteinbucht.

Matalas Hippiefestival

Auch wir haben unseren Ausflug nach Matala extra so getimed, dass wir das Matala Beach Festival einmal live miterleben können. Wer jetzt denkt, dass dieses kostenlose Festival nur Althippies anlockt, liegt absolut falsch. Bei der gechillten Strandparty treffen sich einfach alle jeden Alters, die gerne in lockerer Atmosphäre das Leben feiern. Drei Tage lang ist der Ort erfüllt von Musik und fröhlichen Menschen.

Die Bühne steht direkt am Matala Beach im Sand mit den Wohnhöhlen als spektakulärer Kulisse. Schon tagsüber lässt man die Boxen "warmlaufen", sodass wir die Höhlen mit musikalischer Untermalung erkunden.

Wir kommen vorbei an einem Campen-verboten-Schild, das allerdings kaum mehr zu erkennen ist in dem Meer von Zelten, die darum verteilt sind. Für die Zeit des Festivals hat man das Verbot anscheinend aufgehoben und das Zelten ist wie das Festival kostenlos. Kein Wunder, dass es hier so voll ist. Ich bin allerdings sehr froh, dass wir ein Zimmer haben, auch wenn es chillig aussieht, wie die knackigen Beachboys und -girls sich vor ihren Behausungen im Sand fläzen. Mein Rücken würde mir was anderes erzählen. ;-)

Neben der Bühne gehört auch ein Hippiemarkt, der über den halben Ort verteilt ist, zum Programm des Matala Beach Festivals. Wir kaufen ein paar hübsche, handgefertigte Schmuckstücke. Mein Muschelarmband aus Matala habe ich tatsächlich seitdem nicht mehr abgenommen, so sehr mag ich es. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht mehr an dem Stand gekauft habe, der Armbänder mit Muscheln und Halbedelsteinen verkauft hat. Stilecht von einem Alt-Hippie gefertigt - versteht sich.


Die Stimmung in Matala ist auf jeden Fall ansteckend und es macht einfach Spaß, sich darauf einzulassen. Daher kann ich auch nicht widerstehen, mir ein Outfit ganz im Style der Blumenkinder zuzulegen. Die meisten Besucher haben sich mit leuchtenden Farben bemalt, viele Mädels tragen Blumenkränze, wallende Kleider oder schlicht nur Bikinis. Die Jungs setzen auf Shorts und Gitarre oder Bier. Es fühlt sich ein bisschen an wie Karneval, bloß in entspannt und friedlich.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang finden wir uns am Strand ein und gönnen uns ein Bier von der Outdoor-Bar. Es kostet gerade einmal 1,50 Euro die Dose, vom Fass 2 Euro. Wir sitzen einfach gemütlich im Sand und lassen alles auf uns wirken und beobachten, wie die Sonne langsam und gemächlich  ins Meer plumpst.


Nach und nach gehen immer mehr Lichter an, die Bühne leuchtet um die Wette mit der Lichtinstallation an den Felsen. Wir schauen zu, wie Jung und Alt Seite an Seite eine gute Zeit haben und genehmigen uns noch ein paar Bierchen.

Nach einer Weile merken wir, dass wir doch ein wenig beschwipst sind und beschließen, noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort zu machen. Die Musik von der Bühne ist sowieso in ganz Matala zu hören. Langsam macht sich dann auch etwas Erschöpfung breit. Schließlich ist heute der letzte Abend unseres 9-tägigen Urlaubs in Griechenland und wir waren jeden Tag von morgens bis abends unterwegs, haben Athen und den Nordwesten von Kreta erkundet und eine ausgedehnte Tour von dort bis in den Süden gemacht.

Deshalb beschließen wir gegen 1 Uhr ins Bett zu gehen. Wir schlafen zwar direkt ein, wachen aber immer wieder auf, denn die Party geht natürlich auch ohne uns weiter und scheint immer wilder zu werden, je weiter die Nacht voranschreitet. Gegen 6 Uhr morgens höre ich die Bässe zum letzten Mal wummern. Dann bin ich wach. So komme ich in den Genuss, Matala bei einem morgendlichen Spaziergang ganz für mich allein zu haben.

Der Tag danach: Fototour durch Matala

Die Luft ist angenehm erfrischend nach dem etwas stickigen Apartment und ich habe jetzt die Gelegenheit, mich in Ruhe umzusehen und Fotos zu machen. Am Strand stoße ich auf ein paar Schnapsleichen, die anscheinend einfach dort eingeschlafen sind, wo sie gerade standen oder sich unter Handtüchern gegen die nächtliche Kälte zusammengerottet haben. Bei Licht gesehen hat das Festival dann doch so seine Spuren hinterlassen. Hier schwimmen und sonnen würde ich mich jedenfalls erst mal nicht mehr ...

Was mich aber am meisten fasziniert ist, dass nach und nach aus dem Dunst am Horizont auf einmal ein Gebirge auftaucht. Weder am Vortag noch am frühen Morgen hat man irgendetwas davon gesehen. Es kommt mir wie eine Fata Morgana vor. Vergleiche selbst das obere und das untere Bild, wo ich kurze Zeit später nur ein paar Meter weiter links stehe. Irre oder?

So sehr ich den Trubel am Vortag auch genossen habe, es ist toll diesen bezaubernden kleinen Ort ungestört entdecken zu können und in Ruhe zu fotografieren. Ab und zu erschrecke ich mich kurz, weil irgendwo auf einer Bank noch jemand schnarcht und seinen Rausch ausschläft, je höher aber die Sonne steigt, umso mehr regt sich wieder Leben im Dorf.

Anscheinend  waren die Angestellten in den Bars noch in der Nacht fleißig, denn hier ist alles super sauber und so leuchten auch hier die Farben frisch in der Morgensonne.

Besonders schön finde ich es in einem kleinen, noch geschlossenen Café, das wirkt als wäre man auf einem Boot - mit etwas Knarzen, aber ohne das Schaukeln, das ich nicht ganz so gut vertrage. Hier könnte ich Stunden verbringen!


Schließlich reiße ich mich los, um meine Freundin zu wecken, die auch schon auf mich wartet, und wir gehen erst einmal im Dorf frühstücken, bevor wir dann die Fahrt zum Flughafen in Heraklion in Angriff nehmen.

Der Ausflug nach Matala gehört definitiv zu den Highlights unseres Urlaubs. Es ist der perfekte Abschluss für uns! Ich weiß nicht, wie es sonst hier zugeht, aber zum Beach Festival kann ich einen Trip nach Matala in jedem Fall nur jedem empfehlen. Selten habe ich eine so friedliche Stimmung erlebt. Die Nacht war zwar kurz, weil das Konzert auch vom Apartment aus sehr gut zu hören war, dafür hatten wir den Luxus, immer zwischendurch auf die eigene Toilette gehen zu können.

Peace Matala, es war schön!


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