3 1/2 Tage in Riga

Zugegeben: Es zieht mich nicht oft in die nördliche Richtung, denn ich liebe Sonne und Wärme am allermeisten. Doch für Riga im wunderschönen Lettland bin sogar ich bereit, etwas frostigere Temperaturen zu ertragen.

Riga wird als "Perle des Baltikums" bezeichnet und ja, das trifft es! Nicht nur weil die Stadt zu Teilen zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, sondern auch wegen der ziemlich einzigartigen Lebensfreude, die sie ausstrahlt. Als größte Stadt im Baltikum ist Riga sehr multikulturell, trotzdem ist die Innenstadt angenehm überschaubar und gut zu Fuß zu erkunden. Was außerdem bei einem Trip nach Riga nicht fehlen darf: Ein Ausflug in Rigas tolle Umgebung. Die Natur Lettlands ist ein wunderschöner Anblick, den wir im Winter Anfang 2017 erleben durften.


Anreise und Hotels in Riga

Mit Ryanair kommt ihr sehr, sehr günstig zum Flughafen Riga. Auch Wizz-Air, airBaltic und Lufthansa sowie zahlreiche weitere internationale Airlines bedienen den Airport im Südwesten der Stadt. Da er nur 10 km vom Ortskern entfernt ist, ist die Anreise ziemlich unkompliziert. Der Airport-Bus 22 bringt euch für weniger als 2 Euro direkt in die Innenstadt. Er fährt praktischerweise alle 10 bis 30 Minuten (je nach Tageszeit) ab.

 

 Die Auswahl an Hotels in Riga ist enorm, fast an jeder Ecke gibt es große, luxuriöse Hotels, meist mit angeschlossenem Spa und Wellnessprogramm. Die Preise sind vergleichsweise günstig, weshalb auch wir uns ausnahmsweise für so ein Hotel und keine Pension entschieden haben. Das Wellton Centrum Hotel & SPA kann ich uneingeschränkt empfehlen. Sehr gemütliche Zimmer, super Service und ein riesen Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen gelassen hat. Klar, dass so ein Hotel keinen individuellen Charme hat, sondern überall auf der Welt stehen könnte. Wenn es draußen eisig ist, freut man sich aber über ein klein wenig Luxus umso mehr.

Lebensfreude und leckeres Essen

Da wir an einem Samstagabend in Riga gelandet sind, haben wir direkt einen lebhaften Eindruck bekommen, wie gern die Menschen hier ausgehen. Live-Musik spielt eine wichtige Rolle dabei. Fast in jedem 2. Lokal fanden wir eine Band vor, so auch in dem Restaurant, für das wir uns entschieden haben, das Ribs & Rock. Wer auf Spareribs steht und sie mal mit etwas Exotischerem als nur Barbecue-Sauce versuchen will, ist hier richtig.

Nach der kulinarischen Stärkung haben wir einen kleinen Rundgang im nächtlichen Riga unternommen. Der Schnee leuchtete mit den Lichtern der Stadt um die Wette und auch wenn es bitter kalt war, so empfehle ich doch jedem, sich die Stadt auch einmal bei Nacht anzuschauen - selbst wenn ihr nirgendwo auf ein Bier einkehrt. Die Bars waren proppenvoll und wir von der Reise doch etwas angeschlagen, weshalb wir recht bald zurück ins Hotel sind. Nicht aber ohne ein Lächeln auf den Lippen, denn die Lebensfreude, die diese Stadt ausstrahlt, ist einfach ansteckend! Die Stimmung hat mich ein wenig an die entspannten Pubs in Dublin erinnert.

Schnell haben wir übrigens gemerkt: Die Restaurants in der Altstadt sind eher auf Touristen ausgelegt und das Preisniveau dementsprechend recht hoch - vor allem für Landesverhältnisse. Billiger esst ihr rund um den Hauptbahnhof und die Markthallen, wo die Einheimischen verkehren. Günstig und gut ist auch die Selbstbedienungskette Lido, die ihr gleich mehrfach in Riga findet. Hier gibt es eine Auswahl an regionalen und internationalen Gerichten. Super günstiges, schmackftes Gebäck und frisches Obst gibt es im Zentralmarkt. Das ist also die perfekte Adresse, um sich Proviant für einen Ausflug zu besorgen, denn der Bahnhof ist in unmittelbarer Nähe.

Da man bei den eisigen Temperaturen öfter Mal eine Pause im Warmen vertragen kann, hier noch ein Café-Tipp. Im gemütlichen Silovs&Jirgensons Coffee Office könnt ihr in entspanntem, individuellen Retro-Ambiente euren City-Trip in Riga weiterplanen, die Füße aufwärmen und köstlichen Kaffee mit leckeren Donuts genießen.

Bei unserem Besuch vormittags waren wir die einzigen in diesem etwas abseits liegenden Laden, haben uns aber sehr nett mit der einheimischen Mitarbeiterin auf Englisch unterhalten können und unsere Pause etwas ausgedehnter genossen, da es in den Schaukelstuhlsesseln am Fenster so gemütlich war.

Rundgang durch Riga

Am nächsten Morgen stand eine Stadtbesichtigung an. Nach dem unfassbar leckeren Frühstück traten wir verpackt in unzählige Kleidungsschichten hinaus auf die kopfsteingepflasterten Straßen. Bei einem Spaziergang durch Riga merkt ihr schnell, wie abwechslungsreich die Architektur hier ist. Es gibt jede Menge bezaubernder Jugendstilvillen, pastelfarbene oder naturfarbene Holzbauten sowie mittelalterliche Bauwerke sowie gotische Kirchen zu bewundern. Ich persönlich mag ja auch immer sehr gerne die Mischung aus alter Architektur und modernen Elementen.

Immer wieder gibt es überraschende Details zu entdecken, wie z. B. das Katzenhaus. Auf dem spitzen Giebel des Hauses gegenüber der Großen Gilde hockt eine schwarze Katze und blickt über die Gassen. Sie gehört inzwischen zu den Wahrzeichen Rigas. Also schaut nicht nur auf Augenhöhe, sondern ruhig auch mal nach oben!  Ein toller Anblick bei Tag wie bei Nacht ist auch das Schwarzhäupterhaus.

 Ganz irre fand ich auch inmitten des ganzen Schnees nicht nur Raben, sondern auch immer wieder Möwen zu sehen, wie zum Beispiel am Zentralmarkt.

Nicht nur zum Aufwärmen, sondern auch weil die Geschichte der lettischen Hauptstadt wirklich spannend ist, empfehle ich euch den Besuch mindestens eines Museums. Das Lettische Okkupationsmuseum kostet keinen Eintritt und gibt euch einen guten Überblick über die wechselvolle Geschichte Lettlands. Es ist täglich außer montags geöffnet.


Spannend fanden wir auch den Pulvertum mit angeschlossenem Waffenmuseum. Insgesamt ist die Geschichte Rigas ziemlich interessant und auch eng mit Deutschland verknüpft. Wundert euch also nicht, wenn euch ein älterer Deutschbalte in regionalem deutschen Dialekt begrüßt.

Den besten Ausblick über die Stadt bietet die Skyline Bar im Radisson Blu Latvija Conference & SPA Hotel in der Elizabetes Str 55. In unserem Reiseführer stand, dass man den Ausblick auch kostenlos haben kann, wenn man mit dem Fahrstuhl einfach ein Stockwerk höher fährt - de facto gibt es hier aber nur ein kleines Fenster zu einer Seite, kein Vergleich zum Panoramablick in der Bar.


 

Wir waren kurz vor Sonnenuntergang im Februar fast die einzigen Gäste trotz Wochenende und hatten so beste Sicht in der ersten Reihe. Für diese Aussicht bezahle ich jedenfalls gerne 2,50 Euro für eine Cola. Es hat sich auch niemand daran gestört, dass wir hier saßen und endlos Fotos geknipst haben, während die Sonne wie ein roter Feuerball hinter dem Stadtpanorama versank und die Lichter von Riga nach und nach angingen.

Ausflug nach Jurmala

Riga kann man ohne Weiteres in 1 bis 2 Tagen besichtigen, sodass ein Wochenende prima ist für einen Trip in die lettische Hauptstadt. Hängt ihr noch ein paar Tage dran, empfehle ich euch einen Ausflug ans Meer.

Jurmala ist ein Ostsee-Badeort am Rigaischen Meerbusen nordwestlich der Hauptstadt. Vom Bahnhof in Riga gibt es eine Direktverbindung, die euch unkompliziert ans Ziel bringt. Sofort beim Aussteigen sieht man die für den Ort typischen Sommerhäuser aus Holz in den verschiedensten Pastellfarben.


Im Sommer ist der Ort mit dem über 20 km langen Sandstrand wohl ziemlich voll, im Winter habt ihr ihn fast ganz für euch. Nur wenige Läden und Cafés auf der Promenade haben geöffnet, aber der Anblick eines schneebedeckten Strandes ist einfach unvergesslich!


 Wir hatten außerdem das Glück, das die Sonne schien und wir so stundenlang am Strand entlang spazieren, den Möwen und Raben beim Streiten um Futter zusehen und das Panorama genießen konnten.

Huskyschlittenfahrt durch die blauen Berge

Ein einzigartiges Erlebnis bei Riga sind die dort angebotenen Hundeschlittenfahrten. Wir haben unsere Tour bereits von zu Hause aus bei Discover Latvia gebucht und hätten nicht glücklicher sein können. Unser super freundliche Guide Rihards holte uns mit dem Auto am Hotel ab und fuhr uns in den rund 40 km entfernten Ogre Zilie Kalni Nature Park.


Bei den Hunden angekommen, hatten wir erst mal ausführlich Zeit mit ihnen zu spielen und Fotos zu machen. Auch wenn ich ein Katzenmensch bin, fand ich die Huskys einfach nur toll! Danach ging es auf den Schlitten, mein Mann durfte Steuern, ich setze mich als "Gepäck" in den Schlitten, um in Ruhe währen der Fahrt zu fotografieren - gar nicht so leicht bei knapp 17km/h und rasanten Kurven!

Apropos Fotos - Rihards ist passionierter Hobbyfotograf und schoss einfach nur Wahnsinnsfotos von uns während der Schlittenfahrt. Später bekamen wir sie zum Download gratis dazu - ein Service, den ich natürlich besonders zu schätzen weiß! An dieser Stelle also nochmal vielen Dank - auch für die ausführlichen Informationen über Land und Leute und die insgesamt ausgezeichnete Betreuung.

Nach der Schlittenfahrt spazierten wir durch den Schnee bedeckten Wald und kletterten unter Rihards Führung die vereisten Stufen eines Hochsitzes hinauf. Der Ausblick über die verschneiten lettischen Wälder ist einfach großartig. Auch hier hatten wir wieder jede Menge Zeit, Fotos zu machen und heil wieder unten angekommen noch etwas Quatsch im Schnee zu machen. Die 2,5-stündige Tour kam uns nicht zu kurz vor, auch wenn wir natürlich locker noch viel länger hätten bleiben können.


Die 3 km lange Schlittenfahrt mit den Hunden gibt es ab etwa 50 Euro pro Person. Ich habe sie einige Wochen im Voraus im Netz gebucht, da wir nur einen in Frage kommenden Tag für den Ausflug hatten und  die Termine begehrt. Planung zahlt sich also auch hier mal wieder aus!

Nach einer ausführlichen Verabschiedung der Hunde brachte uns Rihards dann wieder nach Riga und setze uns an einer Sehenswürdigkeit unserer Wahl ab. Alles in allem war es ein wirklich lohnenswerter Ausflug, den wir nie vergessen werden!

Fazit zu Riga

Die Stadt ist klein genug, um sie in 1-2 Tagen anzuschauen, perfekt also für einen Wochenendtrip. Da man auf jeden Fall die Chance nutzen sollte, noch einen Ausflug in die Umgebung zu machen, ist ein verlängertes Wochenende noch besser. Im Winter bietet sich eine Hundeschlittenfahrt an, im Sommer fährt man hier mit Rollwagen. Der Strand von Jurmala ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert! Ich möchte auf jeden Fall noch einmal nach Lettland und mir vor allem landschaftlich noch viel mehr anschauen.

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