Hilfe für Monchique - Schicksale: Rabbit & Sofee

Rabbit und Sofee betreiben eine agrotouristische Pension bei Alferce. Als das Feuer ihr kleines Paradies oberhalb des Ortes erreicht, haben sie nur Minuten, um sich und ihre Tiere in Sicherheit zu bringen. Erfahrt mehr über das junge Paar und ihre Geschichte hier, mitfühlend berichtet von Alina.


Rabbit & Sofee, Alferce

Fotos: Susanne Koplin; Bericht: Alina Stoica

Wie ihr ja wisst, waren Susanne und ich auch am vergangenen Samstag wieder in Monchique unterwegs, um uns vor Ort ein Bild von der Situation der betroffenen Menschen zu machen und dann gezielt zu entscheiden, wofür die Spendengelder ausgegeben werden. Begleitet haben uns Susannes Mann, Fabian Ritter, ein deutscher Fotografiestudent, und meine liebe Bekannte A. Insgesamt haben wir uns drei verschiedene Fälle angeschaut. Bei allen handelte es sich um herzensgute, einfache Menschen, die in dem Feuer ihre Häuser und all ihre Habseligkeiten verloren haben. Am Samstagabend hatte ich euch bereits von Roquelina, der Näherin, berichtet. Hier erfahrt ihr die herzergreifende Geschichte von Sofee und Rabbit, eines jungen Pärchens, das in den Bergen von Monchique eine kleine und schnuckelige Unterkunft bewohnte und dort eine agrotouristische Pension betrieb.

Wir treffen Sofee und Rabbit in dem Dorf Alferce. Diese gehört zu den Regionen, die am meisten von den Bränden betroffen wurden. Während in den meisten anderen Gegenden immer noch viele grüne Flächen zu sehen sind, gleicht hier oben alles einer Mondlandschaft. Wie triste, graue Riesen erheben sich die Hügel, die den Ort umgeben, gen Himmel. Dort, wo vor wenigen Wochen die Natur noch in lebendigen Farben erstrahlte, ragen verkohlte Baumstämme aus dem von Asche bedeckten Boden.


Sofee und Rabbit, ein junges Pärchen, sind mir auf Anhieb sympathisch. Sie sind offene, liebenswürdige Menschen, die uns mit einer herzlichen Umarmung begrüßen. Bevor wir zu dem Haus fahren, das einst ihr Zuhause war, unterhalten wir uns ein wenig. Sie erzählen uns von ihrer dramatischen Flucht in der Brandnacht, in der ihre gesamte Existenz vernichtet wurde. Sie klingen gefasst, doch der Schmerz in ihren Augen verrät, welche qualvolle, beängstigende Stunden sie durchlebt haben.

Es war am Nachmittag des 5. August als man ihnen mitteilte, es gäbe keinen Grund zur Sorge, das Feuer sei weit genug entfernt und man würde es in Kürze unter Kontrolle bekommen. Wenig später kam dann ganz plötzlich die Evakuierungsaufforderung. Sie hätten ca. 3 Std. Zeit, ihr Haus, das ca. 1,5km in den Hügeln oberhalb von Alferce liegt, zu verlassen. Nur 15 Min. später leuchtete der Himmel über ihnen bereits in einem bedrohlichen Orange-Rot und die ersten Feuerzungen zeichneten sich am Gipfel hinter ihrer Unterkunft ab. Sofee und Rabbit haben es gerade noch geschafft, ihre Tiere ins Auto zu packen, bevor die Flammen in einem rasanten Tempo die Böschung hinunterschossen. Ihre Habseligkeiten konnten sie nicht mehr retten.

Die Fahrt nach Alferce wurde zu einem Wettrennen gegen die Zeit. Im Ort angekommen mussten sie feststellen, dass bereits alle Straßen gesperrt worden waren und das Dorf vom Feuer umzingelt war. Allen, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, blieb nur zu hoffen und zu beten, dass der Ort von dem Flammeninferno verschont blieb. Die ganze Nacht harrten sie im Freien aus, halfen den Einwohnern, ihre Häuser nasszuspritzen, in der Hoffnung, sie so vor dem Feuer schützen zu können. Keine Feuerwehrtrupps seien dort oben im Einsatz gewesen, berichten sie uns. Diese hatten sich auf das Städtchen Monchique konzentriert, die Menschen in Alferce waren auf sich allein gestellt. Ich bekomme eine Gänsehaut, während vor meinem inneren Auge grausame Bilder voller Todesangst und Verzweiflung entstehen.

Gemeinsam fahren wir hoch zu dem Platz, wo Sofee und Rabbit ihr Zelt, in dem sie zurzeit wohnen, aufgeschlagen haben. Es stehen noch weitere Zelte dort, teils von Menschen, die ebenfalls obdachlos geworden sind, teils von Freunden und Bekannten, die gekommen sind, um ihnen in diesen schweren Zeiten beizustehen und ihnen bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Wir stellen die Autos ab und gehen zu Fuss die letzten 200m bis zu ihrem Häuschen. Oder besser gesagt zu dem, was davon noch übriggeblieben ist. Das Dach ist weg, die Inneneinrichtung liegt in Schutt und Asche. Einzig ein Teil der Grundmauern steht noch. Schon von weitem kann man an der verrußten Wand den Namen „Toca do Coelho“ erkennen. Hier und da sind bunte Graffitizeichnungen zu sehen. Sie wurden von den Gästen angefertigt, die im Laufe der Jahre die schnuckelige Pension besucht haben. Um das Haus herum ist alles grau und schwarz. Es kommt mir vor, als würde die Natur Trauer tragen. Ich schlucke die aufsteigenden Tränen hinunter.

Im Gespräch erzählt mir Sofee, dass sie schwanger sei. Jetzt erst fällt mir die leichte Wölbung unter ihrem Kleid auf. Ihre Augen leuchten, als sie mir sagt, dass sie 2 Tage, bevor mein Anruf kam, zu Rabbit gesagt hat, wie toll es wäre, wenn sie im Winter ein Dach über dem Kopf hätten. Das Angebot, ihnen einen Wohnwagen zu spendieren, sei ein Segen, meint sie. Erneut kämpfe ich mit den Tränen.


Wir bleiben vor dem Haus stehen und die Beiden berichten uns von ihrer Arbeit. Das „Toca do Coelho“ hatte seine Türen stets für jeden Gast offen. Die Menschen, die sie besuchten, wurden herzlich in die Familie aufgenommen. Sofees und Rabbits Ziel war es, den Leuten die Natur nahe zu bringen. Gemeinsam mit ihren Gästen unternahmen sie lange Spaziergänge, veranstalteten kleinere Open-Air-Parties, saßen abends am Lagerfeuer, kümmerten sich um den Anbau von Obst und Gemüse. Sie hatten ihre eigene Gemüseplantage, die von Rabbits 72-jährigem Vater einst angelegt und bei jedem seiner Besuche liebevoll gepflegt wurde. Vor fünf Jahren hatten sie neben dem Haus Obstbäume angepflanzt. In diesem Jahr hatten sie endlich begonnen, Früchte zu tragen. Sie alle waren dem Brand zum Opfer gefallen. Als sie uns davon erzählt, bricht Sofees Stimme. Das Haus kann man wieder aufbauen, sagt sie. Die Bäume verloren zu haben tut ihr viel mehr weh. Genauso wie die vielen Tierkadaver zu finden, die im Wald verstreut liegen. Rehe, Hasen, Füchse, Vögel … Vergeblich versuche ich die Bilder, die in meinem Kopf entstehen, zu verdrängen.


Während Rabbit das Wort übernimmt, läuft Sofee zu dem, was einmal ihr Gemüsegarten war. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen, als sie mit einer Hand voll kleinen gelben Tomaten zurückkommt. Wie durch ein Wunder haben diese das Feuer überlebt. Stolz bietet Sofee sie uns an. Sie schmecken köstlich.


Die Beiden laden uns noch auf ein Glas Wasser ein, doch unsere Zeit ist knapp, wir müssen weiter. Die Stoffe für die Näherin Roquelina müssen bezahlt werden, bevor der Laden in Monchique schliesst. Meine liebe Bekannte A. wird morgen mit Rabbit und Sofee nach Messines fahren und den Wohnwagen für die Beiden abholen. Dann haben sie endlich wieder ein Dach über dem Kopf und die schwangere Sofee muss nicht mehr auf dem harten Boden schlafen. Zudem wird Rabbit ab Mittwoch für anderthalb Monate in den USA sein, er hat dort ein kurzfristiges Jobangebot bekommen und sie brauchen – gerade jetzt – dringend das Geld. Es beruhigt mich zu wissen, dass Sofee dann wenigstens wieder in einem richtigen Bett schlafen kann. Wir verabschieden uns und ich verspreche, sie bald wieder zu besuchen. Ich fahre weg mit gemischten Gefühlen, jedoch mit der 100%igen Gewissheit, dass wir auch in diesem Fall den richtigen Menschen mit den Spendengeldern helfen konnten. Euch allen ein Mega-Dankeschön dafür!

Mehr über „Toca do Coelho” könnt ihr hier nachlesen. Auf ihrer Facebook-Seite haben Sofee und Rabbit unter anderem auch Fotos aus der dramatischen Nacht gepostet.

Update: Der Caravan ist da

Am 28. August ist  der Caravan in Alferce angekommen. Rabbit und seine schwangere Freundin Sofee können nun endlich das Zelt gegen eine geschützte Bleibe tauschen. Schaut euch diese strahlenden Gesichter an ... mir laufen die Tränen vor Freude! Danke, an alle die mitgeholfen haben und vor allem an meine liebe Bekannte A. und ihren Mann, die den Transport organisiert haben!

Foto: J.O.
Foto: J.O.

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Bitte beachtet, dass es sich um keine Organisation handelt, sondern Alina einmalig als Privatperson Geld sammelt und daher keine Spendenquittung ausstellen kann. Dafür kommt das Geld auch direkt bei den Bedürftigen an - und ich werde hier regelmäßig berichten in Wort und Bild, sodass ihr sehen könnt, was mit eurem Geld passiert.

 

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