Hilfe für Monchique - Schicksale: Pablo & Familie

Pablo war dabei sich mit seiner kleinen Familie einen Traum zu erfüllen: Das eigene Heim in den Wäldern oberhalb von Monchique. Dann kam das Feuer ... Dank euren Spenden kann Pablo nun zurück auf sein Grundstück ziehen und sich erneut daran machen, diesen Traum wahr werden zu lassen!


Pablo & familie, Monchique

Fotos & Bericht: Susanne Koplin

Von Pablos Fall erfahren wir durch seine Mutter Ilo, die auch eine gute Bekannte von Monika und Bernhard ist, über die ich hier berichtet habe. Pablo, seine Frau Karina und die zwei kleinen Söhne hat das Feuer gleich doppelt getroffen. Die kleine Familie wohnte in einem Mietshaus in Alferce und war dabei auf einem Grundstück oberhalb von Monchique ihr eigenes Haus zu bauen. Wie wir schon durch die dramatischen Schilderungen von Rabbit und Sofee wissen, haben die Brände rund um Alferce besonders schlimm gewütet. Das gemietete Haus brannte zwar nicht ab, ist aber unbewohnbar. Und auf dem eigenen Grundstück auf der Hügelkuppe müssen Pablo und seine Familie wieder ganz von vorne beginnen.

Eigentlich wollten Alina und ich uns schon am 18. August mit Ilo und Pablo treffen. Doch als wir gerade beim Vorsitzenden der Bombeiros in Monchique sitzen erhält Alina einen Anruf von Ilo. Aufgeregt erzählt sie, dass sie einen preiswerten Caravan in Lissabon gefunden hätten, und sie nun schnell zuschlagen müssten und uns daher heute nicht treffen könnten. Ich sehe Alina lächeln: "Den zahle ich euch!" sagt sie sofort - und somit ist der Plan gefasst, wie es nach der Spende an die Feuerwehr weitergeht. Die beiden kennen sich mittlerweile aus verschienen Telefonaten. Alina spürt, dass diese Spende an die richtigen Menschen geht.

Pablo und seine Familie erhalten tatsächlich den Zuschlag, doch wie kommt der Wohnwagen von Lissabon nach Monchique? Alina tut in der Woche ihr Bestes, um den Transport zu organisieren. Viele wollen helfen, aber haben kein geeignetes Auto mit der passenden Anhängerkupplung zur Verfügung. Auch ich überlege, traue unserem fast 40 Jahre alten Benz die lange Fahrt mit schwerem Gewicht aber dann doch nicht zu. Zunächst wollen wir uns aber ohnehin erst einmal ein Bild vor Ort  machen und die Familie persönlich kennenlernen.


Wir treffen uns mit Ilo und Pablo am darauffolgenden Samstag im Zentrum von Monchique, wo wir zuvor mit der Tierärztin Dr. Ana Silva gesprochen haben, von der wir uns weitere Kontakte zu Hilfsbedürftigen erhoffen. Die beiden fahren in einem alten weißen Renault 4 vor - für mich der Inbegriff des portugiesischen Autos, bei dem mir jedes Mal das Herz aufgeht. Mit uns im Schlepptau zockelt der Kleine tapfer den steilen Hügel Richtung Mata Porcas hinauf. Je höher wir kommen, desto stärker wird der Brandgeruch - auch jetzt noch, Wochen nach dem aktiven Feuer. Am Straßenrand sehen wir unzählige versengte Bienenstöcke, die aus den zerstörten Arealen stammen.

Der letzte Teil des Weges zum Grundstück ist nicht mehr asphaltiert. In eine Wolke aus Staub und Asche gehüllt rumpeln wir den Hang hinauf. Für Alina eine wahre Tortur, denn sie kommt nicht sehr gut damit klar, wenn sie mit dem Auto an Abhängen vorbei muss. Die Angst vor einem plötzlichen Ausweichmanöver fährt bei ihr immer mit. Umso stolzer bin ich auf sie, dass sie all die kurvigen steilen Straßen am Abhang entlang und meist ohne Leitplanke auf sich nimmt, um den Menschen vor Ort zu helfen.

Mein Mann übernimmt schließlich das Steuer für den letzten Rest des Weges und fährt mit Fotografiestudent Fabian, der morgens extra noch mit seinem Auto aus Deutschland angereist und entsprechend hundemüde ist, vor. Alina, Ilo, Pablo und ich folgen zu Fuß, denn der Renault schafft die letzte Kurve über die sandige Schotterpiste auch nicht mehr. Emotional angeschlagen und erschöpft durch die bereits hinter uns liegenden Besuche bei Rabbit und Sofee sowie Roquelina erreichen wir dann die "Baustelle" von Pablo. Sofort ist unsere Aufmerksamkeit wieder voll da - zu wichtig ist jedes einzelne Schicksal! 

Als erstes kommen wir an einem ausgebrannten Wrack vorbei. Das Auto hat zwar nicht Pablo gehört, ist aber trotzdem ein Anblick, der schockiert. Die gewaltige Hitze des Feuers hat sogar die Alufelgen komplett eingeschmolzen. Übrig ist nur ein erstarrtes Rinnsal, das in der Sonne schimmert. Gleich daneben keimt aber auch schon wieder die Hoffnung, ein kleiner Neuanfang: Ein leuchtend grüner Spross hat sich seinen Weg durch die schwarze Asche gebahnt und reckt sein Köpfchen dem Licht entgegen.


Später entdecken wir auch anderswo viele weitere zarte grüne Pflänzchen, die auf dem dunklen verbrannten Boden besonders herausstechen. Ein Zeichen, dass die Natur nicht aufgibt und sich ihr Terrain zurückerkämpft. Auch wenn es nur winzig kleine Sämlinge sind, die nun ersetzen müssen, was an teils jahrzehnte alten Bäumen in der Serra de Monchique den Flammen zum Opfer fiel.

Von Pablos Hausbauprojekt ist hingegen noch weniger übrig geblieben. Ilo zeigt uns den Wassertank, der den Brand überstanden hat, weil er gefüllt war. Jetzt ist er allerdings nicht mehr zu gebrauchen, da der Hahn komplett zerschmolzen ist. Sonst erinnern nur noch hier und da ein paar kleine Gartenfiguren und geschwärzte Treppenstufen daran, dass hier einmal das Heim von Pablo, Karina und ihren zwei Kindern im Entstehen war.


Pablo trägt sein Schicksal mit Fassung. Man sieht ihm die Erschöpfung eher an als dass er davon spricht. Die Situation, dicht gedrängt in dem Haus bei seiner Mutter in Monchique zu leben, muss ihn belasten. Denn auch andere Familienmitglieder sind vom Feuer betroffen, so dass nun permanent 10 Menschen auf engstem Raum zusammenwohnen, zu den schlimmsten Zeiten sogar noch mehr. Davon berichtet uns jedoch seine Mutter, nicht Pablo selbst.

Während wir über das Gelände gehen und ich Fotos schieße, erzählt Pablo, wie knapp es für den geliebten Familienhund Uva war. Als das Feuer kommt, ist die Familie nicht zuhause, wohl aber der Vierbeiner. Pablo fährt sofort los, um ihn zu retten, wird aber von den Einsatzkräften nicht durchgelassen. Zu gefährlich sei es schon. Doch Pablo gibt nicht auf, kann Uva einfach nicht seinem Schicksal überlassen. Über Umwege fährt er kleine versteckte Straßen und schafft es schließlich, das verängstigte Tier herauszuholen. Nachdem wir den bescheidenen, sympathischen Pablo kennengelernt haben, ist für uns erst recht klar, dass wir ihm den Caravan bezahlen wollen. Es bleibt genug, was er uns seine kleine Familie selbst zu stemmen haben.

Der Caravan ist da!

Am Nachmittag des 24.8. ist es endlich soweit: Der Caravan wird geliefert! Da mein Mann und ich noch bei Monika und Bernhard sind und die beiden nicht beim Erzählen von ihrem schlimmen Schicksal hetzen wollen, können wir bei der Ankunft des Wohnwagens bei Pablo leider nicht live dabei sein. Wir besuchen ihn aber direkt einen Tag später, um das neue Heim zu begutachten. Als wir oben am Grundstück ankommen, bekommen wir einen ersten Eindruck, wie es in der kühleren Jahreszeit hier oben sein wird. Ein schweres Wolkenband hat sich um Monchique gelegt und die Luftfeuchtigkeit ist stark gestiegen. Das macht es sofort gefühlt sehr viel kälter und sogar mein Mann friert. Ein kleiner Vorgeschmack auf den langen Winter, der bevorstehen soll ...


Es ist noch niemand außer uns da. Die plötzliche Stille, der verbrannte Boden und das durch die Wolken trübe Licht geben der Szenerie einen trostlosen Anstrich. Wir kommen gerade von dem Freudenfest bei den Geburtstagskindern Monika und Bernhard, wo die ganze Familie sich lachend um den Wohnwagen geschart hat und das Glück fast mit den Händen greifbar war. Umso größer ist nun der Kontrast auf dem kalten, verlassenen wirkenden Grundstück, auf dem nur ein kleiner grüner Stuhl für einen Farbklecks sorgt.

Auf einmal hören wir ein Bellen und fröhlich mit dem Schwanz wedelnd stürmt Uva auf uns zu. Ein Wachhund wird diese liebe Seele vermutlich nicht mehr. Direkt dahinter kommen zwei kleine Sausewinde den Weg hinuntergerannt. Pablos Söhne können es gar nicht erwarten, wieder in den tollen Wohnwagen zu klettern. Ihr Papa begrüßt uns und entschuldigt sich direkt, dass er dreckig sei. Er habe bis kurz vorher noch gearbeitet. Uns ist das egal, wir umarmen ihn trotzdem. Kaum hat er den Wohnwagen aufgeschlossen, toben die zwei Kleinen schon begeistert darin herum. Mein Blick fällt auf die kaputte Tür und den Rost, der sich bereits hineingefressen hat.  Im Gegensatz zu den anderen Wohnwagen hat diesen hier nicht Alina gefunden, sondern die Familie selbst. Leider ist er nicht so gut in Schuss wie die anderen Caravans. Lachend scherzt Pablo dazu nur "Wir haben hier drinnen schon einen schicken 80er-Jahre-Style, aber dafür war dieses Poster von Justin Bieber mit dabei". Mein Mann schaut sich ein wenig genauer um, wir sehen Risse in den Fenstern, die drigend geflickt werden müssen. Es ist noch viel zu tun an dem neuen Heim. Schließlich gibt Pablo zu, dass er sich nicht sicher ist, ob die Familie wirklich hier den Winter überstehen kann.


Gerne würden wir den 4 und ihrem süßen Hund weiter helfen und sie noch mehr unterstützen. So könnte Alina beispielsweise ein Holzhaus organisieren, in dem mehr Platz als in dem engen, altersschwachen Caravan für die Familie + Hund wäre. Doch Pablo ist es jetzt schon unangenehm, das Geld für den Caravan anzunehmen. Später erfahre ich von Alina, dass man wohl schon tratschen würde, warum Pablo so viel Hilfe bekäme, es sei doch noch nicht mal sein eigenes Haus gewesen, das durch die Flammen unbewohnbar wurde. Leider hören wir ähnliches auch über andere Fälle, in denen wir geholfen haben - jedoch niemals von den Betroffenen selbst, immer über andere Quellen. Dazu kann ich nur traurig mit dem Kopf schütteln. Es ist mehr als schade, dass die große Hilfsbereitschaft und Solidariät, die wir am Anfang überall gespürt haben, nun von diesen wenigen Neidern überschattet wird - und sogar verhindert, dass weitere Hilfe angenommen wird. Ich hoffe, dass diese Menschen niemals am eigenen Leib erfahren müssen, wie  man sich fühlt, wenn das Feuer einem das Zuhause nimmt. Selbst wenn es - wie in Pablos Fall - "nur" ein Mietshaus und eine Baustelle war. Denn es ist ja nicht nur der materiellen Verlust, sondern auch das Gefühl von Sicherheit und Grundvertrauen, das durch die Flammen zerstört wird. Ich kann nur hoffen, dass diejenigen, die den lieben Menschen, die wir im Rahmen der Hilfsaktion kennenlernen durften, nicht einmal einen alten Wohnwagen gönnen, das irgendwann verstehen.

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Bitte beachtet, dass es sich um keine Organisation handelt, sondern Alina einmalig als Privatperson Geld sammelt und daher keine Spendenquittung ausstellen kann. Dafür kommt das Geld auch direkt bei den Bedürftigen an - und ich werde hier regelmäßig berichten in Wort und Bild, sodass ihr sehen könnt, was mit eurem Geld passiert.

 

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