2 1/2 Tage im Berchtesgadener Land

Das tolle Wetter in den letzten Tagen hat mich daran erinnert, dass es auch in Deutschland wunderbare Reiseziele gibt. Vor allem Bayern hat landschaftlich gesehen so einige Traumdestinationen zu bieten. Rund um Bad Reichenhall gibt es alles, was meiner Meinung nach zu einem gelungenen Urlaub gehört: atemberaubende Natur, historische Sehenswürdigkeiten, hübsche Städtchen, leckeres Essen und jede Menge tolle Fotomotive. Komm mit auf einen Kurztrip ins Berchtesgadener Land!

Als Ausgangspunkt für unseren Ausflug ins Berchtesgadener Land haben wir uns Bayerisch Gmain ausgesucht. Die oberbayerische Gemeinde grenzt direkt an Bad Reichenhall und liegt verkehrsgünstig für die weiteren Sehenswürdigkeiten der Region. Hauptsächlich haben wir uns aber aufgrund der Villa Sonnenhof * für diesen Standort entschieden. Reisezeitpunkt war Pfingsten 2017.

Die familiengeführte Pension sticht heraus aus dem Angebot an rustikal bayerischer Einrichtung, das ich mir gern anschauen, worin ich aber nicht so gern nächtigen möchte. Die Villa Sonnenhof verbindet auf sehr geschmackvolle Art und Weise die typische Architektur der Region und modernes Wohnen. Wir haben uns hier super wohl gefühlt, was auch an den wirklich netten Besitzern samt Hund lag und dem echt fantastischen Frühstück auf der Sonnenterrasse.


Nach der Ankunft mit dem Auto Freitagabend machen wir nur einen kurzen Spaziergang im leichten Nieselregen - bezeichnender Weise durch die Sonnenstraße zur Burg Gruttenstein. Dort finden das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungen statt und man bemüht sich sehr, das denkmalgeschützte Gebäude in Schuss zu halten. So steht auch jetzt ein Kran für Renovierungsarbeiten bereit.


Bei der Burg nehmen wir die Treppen hinunter nach Bad Reichenhall und schlendern im letzten Licht des Tages zur ersten Orientierung durch sie Altstadt rund um den Rathausplatz. Dort beginnt die Fußgängerzone und es finden sich viele Gaststätten und Cafés.
Wunderschön finde ich außerdem die vielen Jugendstilvillen, die in der Altstadt von Bad Reichenhall verteilt sind.

Sehenswert ist vor allem die Alte Saline, ein königliches Industrie-Denkmal von 1837, das Ludwig I. persönlich erbauen ließ. Wir haben das Gebäude nur von außen angeschaut, da das Museum schon geschlossen war, aber allein das war schon sehr schön. In dem historischen Gebäude ist  übrigens auch die Kunstakademie Bad Reichenhall untergebracht.

Eine Institution ist auch das Café Reber in der Ludwigstraße 10, wo es die Echten Reber Mozart-Kugeln® und weitere Confiserie-Spezialitäten gibt. Das Schaufenster allein ist jedenfalls schon mal ein Eyecatcher.

Da kein Restaurant uns direkt anspricht bzw. wir uns nicht so recht einig werden, holen wir uns nur ein paar Snacks aus dem Supermarkt, bevor wir wieder den Berg hinaufstapfen zu unserer Pension.

Wandern am Königssee

Am nächsten Morgen meint es der Wettergott gut mit uns und da ich - wie so oft, wenn ich an einem neuen Ort bin - schon sehr früh wach werde, mache ich noch mal einen Spaziergang direkt vor der "Haustür", nämlich auf den Wiesen oberhalb der Stadt rund um die Burg. Dieses Mal mit zauberhaftem Sonnenschein und faszinierenden Nebelschwaden im Tal.  Morgenlicht ist einfach genial in den Bergen!


Nach dem Morgenspaziergang bin ich mir sicher: Die Wetterbedingungen sind perfekt für einen Ausflug zum Königssee. Inzwischen weilt auch mein Mann unter den Lebenden und wir genehmigen uns ein wunderbares Frühstück im Garten.

Dann machen wir uns auf den Weg nach Schönau am Königssee. Da mit dem Auto nach Bayern angereist sind,  haben wir maximale Mobilität. Wir fahren wir etwa 30 Minuten bis zum großen Parkplatz beim Königssee. Das Tagesticket für PKWs ist mit 5 Euro überraschend preiswert. Den Fußweg zur Fähre über den Königssee empfinde ich dann als extrem touristisch, voller kitschiger Souvenirstände und Klischees. Aber schließlich gilt der Königssee als eines der beeindruckensten Gewässer der Alpen und dementsprechend groß ist der Besucheransturm. Aus diesem Grund wollten wir schon früh vor Ort sein, denn an der Fähre kann es bei gutem Wetter schon mal zu langen Wartezeiten kommen. Wir sind gegen 9 zur Stelle und warten etwa eine Viertelstunde, bis wir uns ins das Boot quetschen dürfen.


Wir haben das Ticket bis zur Endstation Salet gekauft und planen, erst auf der Rückfahrt die Halbinsel St. Bartholomä anzusteuern. Leider wird die Haltestelle Salet im Winterhalbjahr, also vom 16.10.2017 bis 20.04.2018, von den Fähren nicht angefahren. Wer unsere Wanderung nachvollziehen möchte, muss also leider bis zum nächsten Jahr warten. Nach St. Bartholomä kommt ihr aber ganzjährig, könnt hier die berühmte Kirche und das Jagdschloss besichtigen oder euch zu einer Wanderung zur Eishöhle aufmachen. Letztere möchte ich auch unbedingt einmal sehen. Es steht also jetzt schon fest: Ich komme wieder!

Die Fahrt über den See gestaltet sich überraschend geräuschlos, denn die Flotte besteht aus wirklich leisen Elektrobooten. Laut wird es dann doch noch, allerdings gehört das zum Programm. Etwa auf dem halben Weg zur ersten Haltestelle gibt es einen kurzen Stopp auf dem offenen Wasser, und der Bootsführer, der uns zuvor schon mit interessanten Infos über den See versorgt hat, bläst jetzt kräftig in die Trompete, um uns das legendäre Echo auf dem Königssee vorzuführen. Hat was! Fest steht jedenfalls: Der Königssee fasziniert von der ersten Minute an. Ich bin zugegebenermaßen nicht die seefesteste Person, mir wir gern mal übel in Booten. Auf der fast einstündigen Fahrt allerdings bin ich so geflasht von der Umgebung und einfach viel zu beschäftigt mit dem Fotografieren und Filmen, dass mein Körper keine Chance hat, Zicken zu machen.


Der Königssee liegt übrigens mitten im Nationalpark Berchtesgaden und der Königssee gilt als eines der saubersten Gebirgsgewässer.  Die Kulisse aus smaragdgrün bis azurblauem See, wald- und schneebedeckten Bergen und den roten Zwiebeldächern der St. Bartolomä-Kirche ist schon ziemlich unschlagbar. Können wir das noch übertreffen? Geschmackssache, aber was uns an der Anlegestelle in Salet erwartet, begeistert mich nicht weniger! Das Grün der Wiesen ist unglaublich, Kühe grasen friedlich am Ufer - Idylle pur. Abgesehen von der Schiffssladung Menschen, mit der wir gekommen sind, hört man nur das Bimmeln der Kuglocken über dem See. Nach einem kurzen Toilettenstopp im Kiosk am Steg begeben wir uns auf den Schotterweg Richtung Fischunkelalm.

Schneller als gedacht zerstreut sich auch der kleine Menschenauflauf, der Großteil ist sowieso in St. Bartolomä ausgestiegen. AN einem zauberhaften Bach führt der Weg ohne nennenswerte Steigungen zum Obersee. Unterwegs muss ich allerdings immer wieder anhalten, denn riesige, wunderschöne Schmetterlinge flattern in großer Zahl herum oder sitzen auf dem Weg. Ich muss nicht erwähnen, wie doll mich das begeistert oder?

Nach etwa 10 Minuten soll man von der Anlegestelle Salet zum Obersee brauchen, aber durch die vielen Fotostopps liegen wir geschätzt mindestens bei der doppelten Zeit. Trotzdem schaffen wir es, an dem unter Fotografen beliebten Bootshaus am Obersee anzukommen, bevor die Sonne zu steil am Himmel steht. Dieses Motiv einzufangen, gehörte zu meinen Zielen bei unserem Trip zum Königssee.


 Der Obersee ist außerdem bekannt für seine glasklaren Spiegelungen, die tatsächlich ziemlich genial sind. Der schmale Wanderweg führt uns im Schatten der Bäume direkt zwischen Seeufer und einer Felswand entlang. Hier wird es zunehmend etwas unwegsamer, geht über Stock und Stein, sodass man zum ersten Mal etwas mehr auf seine Füße achten muss und nicht nur die Landschaft bewundert. Unterwegs sehen wir 2 3 Kinderwagen, die auf halber Strecke zurückgelassen wurden. Wie man auf die Idee kommt, mit einem Kinderwagen hier wandern zu gehen, ist mir schleierhaft, ich hoffe trotzdem für die Eltern, dass alle Wagen noch an Ort und Stelle stehen bei ihrer Rückkehr.


Nachdem wir das andere Ufer erreicht haben, ist der 30 Minuten entfernte Röthbach-Wasserfall unser nächstes Ziel. Bei der Überfahrt nach Salet konnten wir bereits einen Wasserfall sehen, der sich von der Gotzenalm in den Königssee hinabstürzt. Der Röthbach-Wasserfall, der im sumpfigen Boden der Fischunkelalm versickert und dann unterirdisch in den Obersee fließt, ist jedoch mit 470 Metern noch um eines höher, ja er ist sogar der höchste Wasserfall in ganz Deutschland. Er ist schon von Weitem sichtbar, sodass wir unser Ziel stets vor Augen haben. Wir fühlen uns wie in eine Postkarte versetzt, denn es stehen auch ein paar Kühe dekorativ in der Szenerie herum.


Am Fuß des Wasserfalls angekommen beschließen wir spontan, einfach dem Lauf nach oben zu folgen, um zu schauen, wie weit wir es nach oben schaffen können. Während unten Familien in dem ruhigen Bachausläufer des Röthbachfalls planschen und zahlreiche Wanderer im Schatten ausruhen, sehen wir schnell immer weniger Menschen um uns herum. Auf den ersten paar moosbewachsenen Steinen kraxeln noch ein paar herum, aber je steiler es hinauf geht, desto einsamer wird es. Am Ende sehen wir nur noch einen weiteren Verrückten, der sich an dem fast senkrechten Aufstieg im Wald probiert.

Auf dem letzten bewachsenen Plateau angekommen müssen wir schließlich aufgeben, denn ab hier gibt es nur noch nackten Fels und der Wasserfall ist so laut, dass wir kaum die eigenen Gedanken verstehen. Mal ganz davon abgesehen, dass er hier oben mit einer so großen Wucht hinabschießt, dass wir auch mit Sicherheitsabstand ziemlich nass werden. Auch wenn wir es nicht bis ganz nach oben geschafft haben, hat sich der anstrengende Aufstieg gelohnt. Durch die in der Luft liegende Gischt, die sich in den Sonnenstrahlen bricht, wirkt die ganze Szenerie noch unwirklicher. 

Auch der Ausblick hinunter auf die Fischunkelalm ist ziemlich atemberaubend, nicht nur weil sich durch das Zusammenspiel von Sonne und Gischt ein Regenbogen bildet.

Oben auf dem Plateau ist es nicht nur feucht, sondern dementsprechend auch ziemlich glitschig. Hier muss man wirlich höllisch aufpassen und immer genug Abstand zu Wasserfall und Abgrund lassen! Schnelle Bewegungen sind ebenfalls keine gute Idee. Wieder zurück am Boden auf der Fischunkelalm befreien wir im Bach erst mal Schuhe und Füße vom Matsch. Meine Hose allerdings lässt sich nicht mehr retten. Ja, natürlich habe ich mich beim letzten Foto oben auf den Hosenboden gesetzt, weil ich ganz zum Schluss doch ausgerutscht bin, und meine komplette Kehrseite ist Matsch bedeckt. Egal, das Foto war's wert! Etwas angeschlagen machen wir uns auf den Weg zurück zur Fähre. Zwischendurch werfen wir noch mal einen Blick zurück auf den Röthbachfall und suchen die Stelle, bis zu der wir gekommen sind.

Als wir in Salet ankommen ist es Nachmittag, dementsprechend voll ist die Fähre - und noch viel voller ist die Halbinsel St. Bartolomä. Die Menschenmassen tragen nicht dazu bei, dass wir uns fitter fühlen, deshalb lassen wir es hier für unsere Verhältnisse ruhig angehen. Wir drehen eine kleine Runde über die Halbinsel durch den Wald und spazieren am Ufer entlang bis zur Anlegestelle zurück.

Dann tun uns die Füße so weh, dass wir doch in dem ziemlich überteuerten Gasthof einkehren und uns eine Stärkung gönnen.Der Kaiserschmarn ist am Ende sein Geld doch wert, denn die Portion ist großzügig und mega lecker! Während wir essen beobachten wir ein paar Rehe, die in sicherer Entfernung vom Trubel grasen.

Die Rückfahrt gestaltet sich etwas schwieriger als gedacht, den der Steg ist total überfüllt, die Schlange zieht sich mehrere hundert Meter. Wir schaffen es auf die letzte Fähre und sind so richtig schön kaputt als wir schließlich nach einem erneuten Abstecher nach Bad Reichenhall in der Pension ankommen und direkt ins Bett fallen.

Kehlsteinhaus & Dokumentation Obersalzberg

Am nächsten Tag haben wir leider weniger Glück mit dem Wetter, dicke Wolken hängen am Himmel und es zieht sich mehr und mehr zu. Da es unser letzter vollständiger Tag ist und mein Mann sich den Trip gewünscht hatte, beschließen wir trotzdem nach Berchtesgaden zu fahren und das Eagles Nest in Angriff zu nehmen. Am menschenleeren Parkplatz angekommen, haben wir zunächst Zweifel, ob der Zugang Pfingstsonntag geöffnet ist, denn außer unserem sehen wir kein anderes Auto. Dann merken wir, dass wir auf einem von 3 Parkplätzen gelandet sind und weiter oben am Ticketschalter schon einige Reisebusse warten. Man ist es also gewohnt, hier große Besuchermassen abzufertigen. Da der Tag grau und verregnet und es obendrein recht früh morgens ist, hält es sich bei unserem Besuch in Grenzen.

Mit dem eigenen Fahrzeug ist es nicht erlaubt, die berühmt-berüchtigte Kehlsteinstraße hinauf zu Adolf Hitlers Teehaus zu  befahren. Daher ist am Kehlsteinparkplatz für alle Besucher erst mal Schluss und man muss ein Ticket für den offiziellen Shuttlebus lösen, der einen bis zum historischen Fahrstuhl im Berg bringt. Wer sich nicht in einen der Busse setzen mag, kann den Aufstieg zum Kehlsteinhaus  auch zu Fuß bewältigen. Da das Wetter zunehmend schlechter wird und es jeden Moment zu regnen droht, nehmen wir den Bus. Die Fahrt ist nichts für schwache Nerven, denn die Straße ist extrem eng und man hat wirklich das Gefühl, über den Klippenrand zu stürzen, wenn der Bus die Kehre nimmt. Einen winzigen Augenblick kann ich bis zum Königssee gucken, dann durchstoßen wir die Wolkendecke und man sieht überhaupt nichts mehr von der Umgebung. Schade, denn die Aussicht vom Eagles Nest soll ziemlich großartig sein.


Der Zugang zum Kelhsteinhaus ist von den Nazis bewusst schwierig gestaltet worden, schließlich sollte  Hitler hier eine sichere Unterkunft genießen. Faszinierend ist der in den Berg integrierte Fahrstuhl, der über ein monumentales Tor und einen langen, bedrückend wirkenden Tunnel zu erreichen ist. Der messingverkleidete Aufzug bringt Besucher in 41 Sekunden die letzten 124 Meter hinauf zum Kehlsteinhaus. Der trutzige Bau auf dem Gipfel, in dem heute eine Gaststätte untergebracht ist, enthält auch eine kleine Ausstellung über seine Geschichte. Von der spektakulären Panoramaaussicht haben wir leider gar nichts, es ist nicht nur bewölkt, sondern regnet nun auch in Strömen und ist so kalt, dass der ziemlich teure Souvenirstand im historischen Wohnraum einen Pulli nach dem anderen verkauft.

Statt uns noch länger den Hintern abzufrieren, fahren wir nach weniger als 30 Minuten wieder hinunter und besichtigen das Museum Dokumentation Obersalzberg, das sich direkt am Kehlsteinparkplatz befindet. Das moderne Gebäude ist schön warm und zeichnet die Entwicklung des Obersalzbergs unter den Nationalsozialisten sowie Deutschlands dunkelste Geschichte multimedial nach. Neben Videos, Tondokumenten, Schaubildern und verschiedenen Exponaten aus damaligen Zeiten ist das Highlight der unterirdische Trakt des Museums. Die historische Bunkeranlage versetzt Besucher auf bedrückende Weise in die Schreckenszeit der NS-Diktatur.

Die Bunkeranlage bei Hitlers Berghof sollte ein unterirdisches Führerhauptquartier werden, von dem aus die Regierung agieren können sollte, selbst wenn an der Oberfläche alles zerstört oder der Obersalzberg den Gegnern in die Hände fallen sollte. Alle wichtigen Gebäude waren unterirdisch durch die Bunkeranlage zerstört. Letztendlich rettete sie aber nicht der Nazi-Führungselite das Leben, sondern rund 1000 Arbeitern, die 1945 bei dem oberirdisch fast alles vernichtenden Bombenangriff der Briten  hier Schutz fanden.

Ramsau, Zauberwald & Wimbachklamm

Es ist erst Mittag als wir mit dem Kehlsteinhaus und der Dokumentation Obersalzberg bereits fertig sind. Wir hatten vor allem oben am Eagles Nest eigentlich viel mehr Zeit eingeplant, weshalb wir nun überlegen, was man bei leichtem Nieselregen sonst so machen kann, außer weitere Museen zu besuchen oder einfach nur zu essen. Die Wahl fällt erst mal auf das hübsche Postkartendorf Ramsau.  Dort gibt es natürlich den obligatorischen Fotostopp an der Pfarrkirche Sankt Sebastian, ein bei Malern und Fotografen beliebtes Motiv. Auch ich werde am nächsten Tag noch einmal für eine weitere Fotosession zurückkehren.

Die schindelgedeckte Minikirche ist DAS Fotowahrzeichen von Ramsau und auch schon ein beliebtes Motiv zahlreicher Künstler des 19. Jahrhunderts. Die Kirche liegt aber auch wirklich malerisch am Bachufer der wilden Ache.  Eine weitere kleine Sehenswürdigkeit des Bergsteigerdorfs Ramsau liegt ein paar Meter weiter am rechten Straßenrand, wenn man weiter Richtung Hintersee fährt. Die offene Mini-Kapelle steht direkt auf einer Wiese zwischen weidenden Schafen. Ein putziger Anblick!

Von der Marxenbrücke in Ramsau aus führt ein schöner Wanderweg in den sogenannten Zauberwald. Aufgrund des Wetters bleiben wir im Auto und fahren bis zum Parkplatz Seeklause. Dort angekommen müssen wir einfach aussteigen, denn der Zauberwald ist ein weiteres Natur-Highlight von Berchtesgaden.


Dazu überqueren wir die Brücke über die schäumende Ramsauer Ache und bewundern kurz das Ostufer des Hintersees. Danach halten wir uns rechts, gehen am leider geschlossenen Zauberwald-Kiosk vorbei und folgen der Beschilderung des Naturlehrpfads in Bachnähe. Das ist wichtig, um die teils seltenen Pflanzenarten, die hier am Wege stehen, nicht unbedacht zu zertrampeln. Vor etwa 4000 Jahren hat ein kolossaler Bergsturz dafür gesorgt, dass der Wald hier gespickt ist mit Felsbrocken, die heute dick mit Moos bewachsen sind.

 Die gewaltigen Felsbrocken, die immer wieder in die leuchtend gründe Waldlandschaft eingebettet sind, empfinde ich als total faszinierend. Dazu das kühle, blasse Blau des eiskalten Bergbachs ... der Ort hat wirklich etwas Mystisches! Da die teilweise skurril gewachsenen Bäume hier sehr dicht wachsen, können wir trotz anhaltendem Regen halbwegs trockenen Fußes einen Teil des Naturlehrpfads erkunden.


Dabei kreuzen wir auch wieder den Ramsauer Malerweg, der Besucher zu den bevorzugten Malerstandpunkten der Romantiker des 19. Jahrhunderts führt. Schautafeln zeigen ein Beispielgemälde, das man direkt mit dem Vorbild aus der Natur vergleichen kann.

Zurück beim Hintersee verzichten wir auf den Rundweg um den See, der den herrschaftlichen Namen Prinzregent Luitpold Weg trägt, sondern steigen wieder ins Auto und fahren die Strecke bis zu den Bootsanlegestellen beim Gasthof auf der anderen Uferseite. Hier laufen wir dann am See die beliebten Fotospots ab. Der Hintersee ist unter Fotografen schon lange kein Geheimtipp mehr, aber er ist nicht umsonst so beliebt! Trotz schlechten Wetters und trüben Lichts bin ich mit meiner Fotoausbeute sehr zufrieden.


Trotzdem beschließe ich, am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang noch einmal herzukommen, um das legendäre Farbenspiel über den Bergen und die Spiegelungen im See noch besser einzufangen. Dass wir dazu um 4:00 Uhr in der Früh losfahren müssen, bringe ich meinem Mann später beim Essen bei ...

Jetzt setzen wir uns erst mal wieder ins Auto und fahren rüber zur nahegelegenen Wimbachklamm. Bei unserem Trip nach Oberstdorf 2016 haben wir die Breitachklamm durchwandert. Das hat uns so gut gefallen, dass wir unbedingt eine weitere Klamm erkunden wollen. In der engen Schlucht, die sich durch das Hochtal zwischen Hochkalter und Watzmann zieht, schießt ein Wildbach seine Wassermassen mit Tempo und Getöse ins Tal. Da macht ein bisschen Nieselregen auch keinen Unterschied mehr.


Wir lösen also die Marke, die uns Zugang zur Klamm gewährt, am Automaten und sind dann völlig allein in der Klamm. Die Einsamkeit verstärkt das Naturerlebnis in meinen Augen noch. Die Wimbachklamm ist mit einer reinen Gehzeit von 15 Minuten angenehm kurz, bietet aber auf der Strecke trotzdem einige Highlights. Die Holzstege führen direkt am tosenden Wasser entlang und man kann nur in eine Richtung durch die schmale Schlucht. Achtung: An manchen Stellen fehlen Bretter in den Holzstegen, also auch mal nach unten schauen!


Zurück geht es über einen Waldweg. Hier hat man die Möglichkeit, noch zum Wimbachschloss zu wandern. Wir verzichten darauf, da die Strecke recht weit und das Schloss eigentlich eher ein Haus ist. Außerdem meldet sich bei uns langsam der Hunger, sodass wir beschließen nach der Wanderung durch die Klamm zum Abendessen ins rund 10 km entfernte Bischhofswiesen zu fahren.

Hier hatte ich uns den Berggasthof Oberkälberstein, betrieben von Familie Springl, im Netz herausgesucht, weil er gute Bewertungen hatte und großzügige Portionen sowie ein eigenes Wildgehege versprach. Wir sind nicht enttäuscht worden! Das Essen ist wirklich exzellent und reichlich. Den Nachttisch mussten wir uns sogar teilen, und das kommt bei uns selten vor.

Danach kommt ein Verdauungsspaziergang zum Wildgehege Oberkälberstein gerade recht. Hier leben etwa 30 bis 50 Stück Damwild. Als Nicht-Wildexperte sage ich: Wir haben ein paar Rehe gesehen. ;-) Die meisten hielten sich im Wald versteckt oder waren etwas weiter weg. Eine Handvoll fanden wir direkt am Zaun vor, sodass wir ein paar hübsche Fotos schießen konnten.

Als wir schließlich erschöpft, aber glücklich am Abend in unserer Pension ankommen, zeigt sich dann zum ersten Mal an diesem Tag doch noch die Sonne. Von unserem Fenster aus beobachten wir, wie sie die letzten Wolkenfitzel  um den Berggipfel erstrahlen lässt, bevor sie dann für die Nacht verschwindet. Das macht uns Hoffnung für den nächsten Tag und unsere ambitionierten Fotopläne am Hintersee.

Da die Bilder von unserer Fototour zum Hintersee im Morgengrauen viel zu schade sind, um am Ende eines langen, langen Artikels zu stehen, habe ich einen eigenen daraus gemacht. Du findest ihn hier. Nur so viel sei an dieser Stelle verraten: Es lohnt sich - versprochen!


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Kommentare: 4
  • #1

    Torsten (Sonntag, 18 März 2018 10:54)

    Danke für diesen abwechslungsreichen Beitrag, der das Berchtesgadener Land in seinen vielfältigen Facetten zeigt. Super Fotos hast du einfangen können und sogar einen Schwalbenschwanz konntest du ablichten!

    Beste Grüsse Torsten
    https://www.tberg.de

  • #2

    Susanne (Sonntag, 18 März 2018 11:18)

    Hallo Torsten,
    vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ja die Tour war richtig toll, würde ich immer wieder so machen. Über den Schwalbenschwanz habe ich mich auch sehr gefreut :D

    Lieben Gruß
    Susanne

  • #3

    Ina (Sonntag, 10 Juni 2018 16:45)

    Ein schöner Beitrag, einer wunderschönen Region. als wir noch in Bayern wohnten gingen unsere Tagesausflüge oft in diese Gegend. Danke für den Bericht und die Bilder.

    Lg aus Norwegen
    Ina

  • #4

    Veronika (Montag, 11 Juni 2018 20:19)

    Ach, der National Park Berchtesgaden! Der hat es mir letztes Jahr auch angetan! Du hat tolle Fotos geschossen und ich habe mich auch gefreut den Wasserfall wiederzuerkennen. Ich selbst habe letztes Jahr eine 2Tages Wanderung von Schönau zur Gotzenalm und von dort auf der anderen Seite hinunter zum Königssee gemacht. Traumhaft! Und ja... und das Booterl muss man sich reinquetschen ;)
    Liebe Grüße, Veronika