5 Highlights auf Madeira für Nicht-Wanderer

Madeira ist vor allem unter Wanderfreunden sehr bekannt und das ist auch absolut verständlich. Zahlreiche Wanderwege führen durch eine abwechslungsreiche und einfach wunderschöne Landschaft. Besonders beliebt sind Levada-Wanderungen, bei denen du - egal ob in der Stadt oder im Gebirge - einfach nur den Wasserkanälen folgst. Bei meinem nächsten Urlaub in Madeira möchte ich das auch gerne mal probieren, doch heute will ich dir zeigen, dass sich Madeira selbst dann lohnt, wenn du keine Lust aufs Wandern hast! Denn ich habe während meines Aufenthalts im Mai 2010 zugegebenermaßen kein einziges Mal die Wanderschuhe geschnürt, dafür aber mit dem Mietwagen in einer Woche die komplette Insel erkundet. Hier kommen meine Highlights auf Madeira!

1. Der Flughafen - Ein kleiner Adrenalinkick

Ein Flughafen als Highlight? Ja! Der Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo ist wirklich etwas Besonderes. Nicht, weil er nach einem hier geborenen Fußballstar heißt (bis März 2017 hieß er einfach Aeroporto de Santa Catarina), sondern weil die Konstruktion der Start- und Landebahn einfach außergewöhnlich ist. Der Flughafen liegt direkt an einem Steilküstenhang, die ursprünglich nur 1600 Meter lange Start- und Landebahn wurde 2000 durch einen aufwändigen Betonstützbau auf 2227 Meter verlängert, was irre aussieht und den verantwortlichen Ingenieuren sogar eine Auszeichnung eingebracht hat. Es gibt sogar eine Straße, die unter den tragenden Säulen hindurch führt, der Rest ist unterirdisch, teilweise auch im Meeresgrund verankert.

Glaub nicht, der Platz unterhalb der Landebahn wird von den Portugiesen nicht genutzt! Dort findet schon mal gerne eine Kirmes statt und kleine Buden reihen sich an den Betonpfeilern. Schau dir die Konstruktion unbedingt nach deiner glücklichen Landung auf Madeira an! Und ja, ein bisschen gruselig ist es schon, aber eben auch faszinierend. Der Flughafen Madeira gilt immer noch als anspruchsvoll für Piloten und Landungen dürfen nur mit Spezialeinweisung erfolgen. Denk aber daran, dass dies eher für mehr Sicherheit sorgt, denn die besondere Aufmerksamkeit des Flugpersonals ist so immer gegeben. Außerdem liegt der letzte Unglücksfall über 40 Jahre zurück, lange bevor es die heutigen Erweiterungen gab. Also nur Mut!

2. Atemberaubende Küstenstraßen und Ausblicke

Wenn ich mich für eine Inselseite entscheiden müsste, wäre das auf jeden Fall der Westen von Madeira. Falls du also etwas weniger Zeit hast oder langsamer reisen möchtest, empfehle ich dir, den Westteil von Madeira zu erkunden, denn hier ist die Vegetation wesentlich üppiger und die Natur steht im Vordergrund. Der Osten ist karger, städtischer und irgendwie voller. Die schroffe Landschaft kann - wie z. B. am Ponta de São Lourenço - zwar durchaus ihren Reiz haben, insgesamt hat mich der Westen aber einfach mehr begeistert. Er wirkt auf mich ursprünglicher, weniger touristisch und es ist leichter, auch einmal für sich zu sein, wie oben im Bild zu sehen an der Capela do Cabo.

Ein Highlight sind in jedem Fall die spektakulären Ausblicke, die du von den Steilklippen Madeiras an vielen Stellen hast. Am bekanntesten ist der Miradouro do Cabo Girão, den du im Inselosten bei Câmara de Lobos findest. Von diesem Kap geht es 580 Meter steil abwärts und der Anblick ist schon beeindruckend. Allerdings bist du hier natürlich nicht allein, erst recht nicht, seitdem der Skywalk, eine Aussichtsplattform aus Glas, installiert wurde.

Straßen, die mitten durch einen Wasserfall führen? In Madeira ist diese Art der Autowäsche keine Seltenheit. Wenn du im Süden der alten Küstenstraße von Madalena do Mar Richtung Ponta do Sol folgst, kommst du durch mehrere urige Tunnel und siehst den ein oder anderen schmaleren Wasserfall. Je nach Wetterlage können die Wasserfälle mal mehr und mal weniger üppig ausfallen. So cool es auch ist, Vorsicht ist trotzdem geboten, denn es können auch durchaus mal Steine mit herunterkommen. Damit der Mietwagen auf Madeira also nicht zu sehr Schaden nimmt, wirf vorher einen Blick auf die Lage und halte den gesunden Menschenverstand eingeschaltet.


Kein Glück gehabt oder Straße gesperrt? Im Norden zwischen Vincente und Porto Moniz gibt es meist kräftigere Fälle. Die Straßen an der Nordküste sind aber noch einmal schmaler als im Süden und daher oft - zum Glück - inzwischen auch Einbahnstraßen. Ein bisschen mutig muss man schon sein, um hier entlang zu fahren, aber es lohnt sich!

3. Über den Encumeada-Pass von Süden nach Norden

Der sonnenreiche Süden ist wahrscheinlich dein Startpunkt, denn hier liegen der Flughafen und die Hauptstadt Funchal. Verpasse aber nicht, auch den Norden zu erkunden. Über den Pass Boca da Encumeada, der als eine Art Wetter- und Wasserscheide auf Madeira fungiert, gelangst du auf sehr eindrucksvolle Weise von Ribeira Brava nach São Vicente. Früher war der knapp über 1000 Meter hohe Passübergang die einzige Möglichkeit von einer Küste zur anderen zur gelangen, heute führt ein Tunnel viel schneller ans Ziel. Umso besser für diejenigen, die die kurvenreiche Straße nur zum Vergnügen nehmen, denn der Verkehr hält sich in Grenzen und so kannst du die tolle Aussicht während der Fahrt in Ruhe genießen. Zuerst geht es aber hinein nach Ribeira Brava, wo die Kirche Matriz de São Bento auf dich wartet.

Sie gilt als als meistbesuchtes Monument in der Umgebung - zu Recht, finde ich, denn allein ihre Lage vor den grün bewachsenen Steinhängen ist schon einen Blick wert. Die ungewöhnliche blau-weiß gekachelte Turmspitze ist auch ein witziges Detail. Von innen soll die Kirche ebenfalls sehr eindrucksvoll sein, ich war allerdings nicht drinnen. Ansonsten hat der Ort nicht allzu viel zu bieten. Wer Lust hat, auf einen kleinen Snack einzukehren, kann das an der modernen Strandpromenade tun. Der graue Kiesstrand selbst hat auf mich nicht so anziehend gewirkt, aber mein Maßstab sind die Strände der Algarve, ich bin also verwöhnt. ;-)

Nun geht es auf die Schnellstraße ER228 über den Pass bis zur Serra de Água. Dort lohnt sich ein Stopp bei der Pousada dos Vinháticos, wo man auch übernachten kann. Um zum Miradouro zu gelangen, folgst du einer schmalen Steintreppe hoch hinein in ein weißes Blumenmeer. Wieder wirst du erkennen, dass sich die Landschaft komplett geändert hat. Zeit zum Durchatmen und Fotografieren!


Von hier kannst du auf die Hochebene Paul da Serra fahren, die ich aber als sehr grau und trostlos empfunden habe, oder weiter nach São Vicente zu den Grutas de São Vicente. Bei den Grotten in der Nähe von Pé de Passo handelt es sich um alte Lavakanäle, die du besichtigen kannst. Wir waren im Mai fast allein dort, was ich sehr angenehm fand. Die Tour dauert etwa 30 Minuten und kostet circa 4 Euro. Im angeschlossenen, sehr modernen Besucherzentrum kannst du dich über Vulkanismus schlau machen. Schön gemacht!

Bist du zurück im Tageslicht und hast noch Lust, die Nordküste weiter zu erkunden, dann hast du die Wahl zwischen Santana im Osten oder Porto Moniz im Westen. Von Santana war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht, hier gibt es abgesehen von einigen traditionellen Häusern mit Strohdach nicht viel zu sehen. In den Häuschen, die hübsch anzuschauen sind, kannst du regionale Produkte kaufen. Ich habe es allerdings doch als sehr touristisch empfunden. 

Ähnliche Häuser findest du auch im etwa 5 km entfernten Queimadas auf einer kleinen Waldlichtung, wo es mir insgesamt deutlich besser gefallen hat. Von hier startet auch ein beliebter Wanderweg zur Caldeirão Verde. Du kannst aber auch einfach einen kurzen Spaziergang durch den hübschen kleinen Park mit Enten und Vogelhäuschen im Madeira-Stil machen. Wenn du aber unbedingt die klassischen Häuser, die man allgemein mit Madeira verbindet, einmal selbst gesehen haben willst, schadet ein kurzer Abstecher nach Santana ja auch nicht.

4. Porto Moniz: Naturschwimmbecken, Aquarium und Echsen

Porto Moniz liegt an der nordwestlichen Spitze der Insel und gehört  zu meinen absoluten Favoriten auf Madeira - auch fototechnisch. Der ehemalige Walfangort ist heute vor allem bekannt für seine Lavaschwimmbecken, die du bei der Anfahrt vom Miradouro da Santa aus schon von gut oben erkennen kannst. Bei unserem Besuch im Mai war das Meer allerdings ganz schön wild und das Schwimmbad deshalb geschlossen. Trotzdem oder gerade deshalb fand ich Porto Moniz sehr reizvoll!

Die Mischung aus schäumender Gischt, sich kräuselnden Wellen und absolut stillem Gewässer in einigen Pools ergibt einfach grandiose Fotomotive! Außerdem macht das kraxeln zwischen den Basaltfelsen ziemlich viel Spaß, auch wenn gewisse Leute wirklich gut auf ihr Handy aufpassen sollten ...


Sollte es doch einmal regnen, ist das Aquario da Madeira in Porto Moniz ein schöner Zeitvertreib. Das kleine Aquarium, das in einem alten Fort untergebracht ist, gibt einen faszinierenden Einblick in die lokale Unterwasserwelt. Der Eintritt von 7 Euro ist allerdings vergleichsweise hoch. Trotzdem fand ich es sehr schön, durch die Mini-Unterwasserwelt zu spazieren, wo die Fische teilweise auch über unsere Köpfe hinwegschwammen.

Etwa 70 verschiedene Arten sind hier untergebracht, darunter kleinere Haie, Muränen, Rochen, Mantas, Gelbflossentunfische, Seesterne und Napoleonfische. Einige Bewohner sehen wirklich ulkig aus. Wenn man sich etwas Zeit gönnt und die Atmosphäre auf sich wirken lässt, ist ein Besuch im Mini-Aquarium von Madeira eine sehr entspannende Angelegenheit.

Aber nicht nur die Unterwasserwelt Madeiras ist es wert, sich einen Moment Zeit zu nehmen. Die Madeira-Eidechse begegnet dir auf der Insel nahezu überall und in vielen unterschiedlichen Farbtönen. Die kleinen Tierchen können wahnsinnig schnell sein, liegen aber auch sehr gerne auf sonnengewärmten Mäuerchen und lassen sich ablichten. So auch in Porto Moniz, wo sie sich diese 2 besonders schön als Mixed Couple in Szene gesetzt haben. Ich habe mich während meines Urlaubs auf Madeira fast totfotografiert, was Eidechsen anbelangt.

Die Mauerechsen leben überwiegend auf Madeira und den benachbarten Ilhas Desertas und Porto Santo. Auch auf einigen Azoren-Inseln sind sie ebenfalls zu finden. Auf São Miguel habe ich aber nur traurig-graue Kameraden angetroffen. Angeblich sollen die kleinen Burschen inzwischen auch im Hafengebiet von Lisboa durch Bananentransporte eingeschleppt worden sein und dort ein neues Zuhause gefunden haben. Ich werde die Augen offen halten bei meiner nächsten Reise nach Lissabon! ;-)

5. Schlemmen wie ein madeirense

Auf Madeira gibt es viele kulinarische Spezialitäten, die es mir angetan haben. Sehr sogar. Ich habe 5 kg zugenommen während meines 1-wöchigen Madeira Urlaubs. Da machte sich das konsequente Nicht-Wandern also doch bemerkbar. Aber egal, es war zu lecker, um nicht alles zu probieren! Hier kommt mein erster Favorit der madeirensischen Küche: Espetada em Pau de Lauro, oder zu Deutsch: Fleischspieß auf Lorbeerstock.  Die Rindfleischstücke sind nur mit Salz und etwas Lauch gewürzt und werden dann über Holzfeuer gegrillt. Einfach, aber gut! Dazu gibt es meist - typisch portugiesisch - Pommes, Reis und Salat.

Auf Madeira gibt es aber bei den Beilagen noch eine Spezialität, die ich euch nicht vorenthalten will: Milho frito. Das sind frittierte Maisgrießwürfel, die einfach nur köstlich schmecken. Leichte Küche geht anders, aber ab und an muss so etwas erlaubt sein! Wenn es dir zu viel wird, nimm eine Sopa do Dia, eine Tagessuppe, oder eine andere leckere Gemüsesuppe aus regionalen Zutaten. Suppen werden in Portugal oft als Vorspeise serviert und ersetzen dann die Gemüsebeilage beim Hauptgericht. Eine weitere Madeira-Spezialität, die ich jeden Tag essen könnte, ist Bolo do Caco. Für Deutsche klingt das erst mal nicht so appetitlich, es handelt sich aber um ein Weizenfladenbrot, das mit geschmolzener Knoblauchbutter und Petersilie verfeinert ist, und ebenfalls gern als Vorspeise gereicht wird.

Die besten Fleischspieße gibt es meiner Meinung nach im Restaurante O Precípicio in Fajã da Ovelha im Nordwesten der Insel. Es hat uns so gut geschmeckt, dass wir direkt zweimal dort gegessen haben. Zudem ist die Aussicht einfach der Hammer, denn das kleine Restaurant liegt direkt an einem Steilhang. Außerdem ist es gerade einmal 5 km entfernt von der zauberhaften Unterkunft Colina da Fajã*, wo wir auf unserer Madeira Rundreise 3 wunderbare Nächte verbracht haben. Ich kann das kleine Hotel nur sehr empfehlen, allein schon wegen der Lage und des Ausblicks, der sich an klaren Tagen dort bietet.


Es wird nun gesünder und etwas figurfreundlicher, versprochen. Wer auf frisches Obst steht, wird sein Paradies auf dem großen Markt in Funchal finden. Hier herrscht so ein Überfluss an den verschiedensten Früchten, das man kaum hinterher kommt. Viele Sorten gibt es bei uns gar nicht und die Einheimischen bieten dir gern Gratis-Kostproben an. Durch das ganzjährig milde Klima auf Madeira wachsen auf der Insel nicht nur die bekannten und sehr aromatischen Mini-Bananen. Ein Bummel über den Markt ist in jedem Fall ein sehr schönes Erlebnis. An den umliegenden Essständen kannst du dich auch kulinarisch mit Kleinigkeiten verwöhnen lassen und natürlich gibt es überall herrliche Blumen zu kaufen.

Selbstverständlich darf auf einem portugiesischen Markt die Fischabteilung nicht fehlen. In rustikalem Ambiente wird hier allerlei fangfrisches Meeresgetier feilgeboten. Fischspezialitäten von Madeira sind der Schwarze Degenfisch (Espada), der gern mit Banane und Maracujasauce serviert wird, und das Bife de Atum a Madeirense, ein gegrilltes Tunfischsteak mit Madeira-Sauce.

Zu guter Letzt kurz noch etwas zum beliebtesten alkoholischen Getränk auf Madeira: Poncha. Auch von einer portugiesischen Freundin wurde mir der typisch madeirensische Schnaps ans Herz gelegt. Ich sollte ihr sogar eine Flasche des Gemischs aus Rum mit Zitronen- und Orangensaft sowie Zucker mitbringen. Nach einem Probeschluck hatte ich meine ganz eigene Theorie, warum Madeirenser ihr Nationalgetränk als "Medizin" bezeichnen: Es schmeckt grauenhaft! Ernsthaft, weder meine durchaus trinkfeste Reisebegleitung noch ich konnten dieses Zeug herunterkriegen. Aber die Einheimischen lieben es. Naja, das ist ja schlussendlich die Hauptsache. Saúde!


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Kommentare: 2
  • #1

    Sabine von Ferngeweht (Freitag, 16 März 2018 12:31)

    Schöner Bericht - auch wenn ich nicht weiß, wie man dem Wandern auf Madeira widerstehen kann ;-) Noch ein Hinweis zu den Straßen im Norden: Die alte Straße an der Küste entlang ist leider mittlerweile komplett gesperrt. Man kommt also nur noch durch die Tunnel voran.

  • #2

    Anna von "Blog auf Meer" (Freitag, 16 März 2018 12:42)

    Hallo Susanne,

    wow was für ein Glück du hast mit deinem Haus an der Algarve (hab mal ins "About Me" reingeschnuppert) und ich bin jetzt glücklich eine Portugal Spezialistin gefunden zu haben ;).

    Nachdem uns die Algarve und Sao Miguel schon so verzaubert haben, steht neben dem Rest der Azoren und Festland auch Madeira schon sooo lange auf dem Plan (ach, die Welt ist so riesig und schön).

    Wir sind zwar leidenschaftliche Wanderer, verschaffen uns aber auch gerne so mal einen Überblick. Eben, wie du bei einem Mietwagen Road-Trip! Dafür finde ich deine 5 Highlights perfekt! Danke dafür.

    Das mit dem Flughafen habe ich übrigens nicht gewusst. OHA, sage ich nur!

    Liebe Grüße aus Chiang Mai,
    Anna